CUBE Cross-Rad zum Pedelec umgebaut

Elektrofahrräder erleben einen nie dagewesenen Boom, gerade in der Pandemie-Zeit. Die Motorunterstützung „bügelt“ hüglige Gegenden einfach glatt. Viele sind motiviert von der Leichtigkeit, mit der anstrengende Steigungen mit dem Rad nun zu bewältigen sind und treiben die Nachfrage und Preise von E-Bikes nach oben. Wobei der Begriff „E-Bikes“ eigentlich falsch ist: Tatsächlich sind Elektrofahrräder mit Tretunterstützung „Pedelecs“. Viele Händler verwenden aber den gängigeren Begriff „E-Bikes“.

Ich habe auch eine Zeit lang mit dem Gedanken gespielt, mir ein solches Gefährt zuzulegen – gebraucht oder als Leasing-Rad über meinen Arbeitgeber.
Grundsätzlich musste ich mir die Frage stellen: Brauchte ich wirklich ein E-Bike? ich fahre ohnehin kaum mit dem Rad… Und was tun mit meinem knapp 10 Jahre jungen CUBE LTD CLS PRO Cross-Rad, das mich über die Jahre treu begleitet hat? Musste ich wirklich ein paar Tausend Euro ausgeben für ein Hightech-Rad ausgeben, wenn ich für kleines Geld mein altes Rad auf Elektroantrieb upgraden könnte?!

Der Gedanke ließ mich nicht mehr los. Und so fasste ich den Entschluss, mich im unteren Preissegment umzusehen und habe ein Umbau-Set von Yosepower bestellt: eine 28″-Felge mit Brushless-Motor und einem 450Wh Akku-Pack (36V; 12,5Ah), bei dem der Kontroller praktischerweise gleich in der Halterung integriert ist. Dieses Set hat bei Amazon durchwegs positive Bewertungen und auch gute Erfahrungsberichte. 
Generell gibt es bei den Kits von Yosepower Unterschiede bei der Kassettenaufnahme (Steck- oder Schraubkranz); Stecksysteme findet man bei den meisten aktuellen Rädern (ab 1990). 

Nach 2 Tagen war das große Paket schon da. Es war sogar alles an Werkzeug mit dabei was benötigt wurde: Eine Kettenpeitsche, ein Pedalabzieher, eine Zahnkranznuss und ein Satz Inbusschlüssel, sowie reichlich Kabelbinder. Mit der detaillierten englisch-deutschen Anleitung sollte es der Einbau also gut machbar sein. Auf jeden Fall war es eine gute Gelegenheit, Kette und Mechanik zu reinigen.

Umbau

Als erstes war die Demontage des alten Hinterrades dran: Dank Quick-Verschluss ging dies auch relativ einfach: die Kassette war nur auf die Achse gesteckt und lies sich nach abschrauben der Abschlussmutter mit der Kranznuss leicht lösen. Die Bremsscheibe auf der anderen Seite war auf einem Zahnkranz aufgesteckt. Ich zog den Reifenmantel samt Schlauch von der Felge ab und löste mit einem flachen Schraubendreher das Felgenschutzband auf der Innenseite der Felge. Dieses wird in die neue Felge wieder eingelegt und dann kommen Schlauch und Reifenmantel wieder auf die neue Felge. Mit etwas Druckluft sitzt der Mantel erst mal.

 

Ich steckte die Kassette auf die neue Felge. Sie lässt sich, wie auch die 2 Endzahnräder, nur in einer Position aufstecken, da die Aufnahme eine spezielle Stelle mit einer schmalen und einer breiten Nut hat. Für die Befestigung der Bremsscheibe sind am Motor 6 Schrauben vorgesehen – das passte nicht zu meiner alten Scheibe. Ich hatte jedoch noch eine alte MTB-Felge in meinem Lager, auf der eine passende Scheibe steckte. Also baute ich diese ab und schraubte sie am Motor fest. Damit war die Elektro-Felge komplett und konnte wieder in die Gabel eingehängt werden. Das stellte sich als einigermaßen knifflig heraus, da die Kette auch noch richtig platziert werden sollte, die Bremsscheibe zwischen den Belägen sitzen musste und das Kabel für den Motor immer im Weg hing… Nach einigen Minuten Fummelei hatte ich die Achse in die Gabel manövriert und schraubte sie fest. Die Bremsbackenhalterung schraube ich kurz lose, um einen guten Lauf zu gewährleisten.

Jetzt kam der Akku an die Reihe. Meine beiden Getränkehalter hatte ich schon vorab abgeschraubt um deren Schraublöcher zur Befestigung der Grundplatte des Akkuhalters zu verwenden. Leider waren die Löcher 1-2cm zu weit unten/hinten gelegen, so dass sich der Akku in dieser Position nicht mehr einschieben ließ… Also konnte ich nur 1 Loch des Getränkehalters nutzen und musste wohl 2 neue Löcher bohren. Ich markierte die Position der Löcher und bohrte diese mit dem Akkuschrauber und einem kleinen Metallbohrer in den Alu-Rahmen. Die Löcher waren gerade so groß, dass die Schrauben sich ein Gewinde scheiden konnten. Die Platte saß so zuverlässig am Rahmen.

Als nächstes fehlte noch der PAS (Pedal Assist) Sensor, der den Motor aktivieren sollte, sobald in die Pedale getreten wurde. Dieser musste auf die Welle des linken Pedals gesteckt werden – also musste dieses abgebaut werden. Die Sicherungsschraube war mit dem beigelegten Inbusschlüssel schnell abgeschraubt. Dann drehte ich den Pedal-Abzieher, der ebenfalls mit bei dem Set dabei war, in das Gewinde des Pedals. Mit einem 16er Gabelschlüssel und einem massiven Eisenrohr als Verlängerung, schaffte ich es mit einem Helfer, die gut festsitzende Kurbel abzuziehen. Der Zusammenbau war dann umso einfacher…

Zu guter Letzt musste alles noch verkabelt werden und ggf. benötigte Peripherie am Lenker befestigt werden. Neben dem Display könnten noch 2 Bremshebel (mit Motorabschaltung) und ein Daumen-Gashebel installiert werden, was aber nicht unbedingt erforderlich, bzw. letzteres auch hierzulande gar nicht erlaubt ist.

Testfahrt und Fazit

Nachdem ich alle Kabel verlegt und fixiert hatte, war der Zeitpunkt gekommen für eine Testfahrt. Ich war bis dahin noch nie auf einem E-Bike/Pedelec gesessen und war entsprechend gespannt und fasziniert, als der Motor anging und mich Steigungen hinauf schob. Schon auf der einfachsten Unterstützungsstufe (1 von 5) bringt das einen guten Schub.

Wie sich Rad und Motor im Langzeit-, bzw. Langstreckeneinsatz schlägt, muss ich noch herausfinden. Für mich hat sich der Umbau gelohnt und ich bin schon jetzt begeistert von der großartigen Technik, mit der man sein Fahrrad heutzutage aufpeppen kann. 😀 

Gerade wenn man den verhältnismäßig geringen Aufwand sieht bei Kosten von nur rund 400,- EUR (355,- mit Rabatt), bekommt man so ein leistungsfähiges, voll ausgestattetes Elektrofahrrad. 

Mit ein paar günstigen Aufklebern kann man dem Akku, bzw. dem kompletten Rad einen ganz neuen Look verleihen:

Nützliche Links

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.