Smarte MiniDisc Track-Titles mit WebMiniDisc

Die Track-Titel machen einen Teil des Charmes des MiniDisc-Formates aus, da die meisten der Wiedergabegeräte über schmucke Displays verfügen, oftmals sogar mit Dot-Matrix-Anzeige. Aber wie soll man die Titel effektiv aus die Disc bringen, wenn die Geräte selbst kaum praktikable Eingabemöglichkeiten bieten?!

Die Software, mit der man auf Minidisc-Geräte vom PC aus zugreifen kann, ist ebenso alt wie die Technologie selbst. Und so wird es auf aktuellen Betriebssystemen immer schwieriger, die ursprünglichen Werkzeuge zum laufen zu bringen und eine aktive Verbindung zur Hardware herzustellen um z.B. Musik auf die Disc zu übertragen oder Titel zu ändern. Bisher habe ich dafür SONYs proprietäre Software SonicStageCP verwendet, jedoch muss hier man bereits auf einem aktuellen Windows-System Tricks anwenden, um USB-Treiber und Programm zu installieren.

Smarter Minidisc-Zugriff

Seit kurzem ist für diesen Zweck eine deutlich komfortablere Lösung verfügbar: Stefano Brilli hat auf Basis des linux-minidisc Projekts eine Portierung für Javascript entwickelt (netmd-js) und nutzt diese mit seiner Oberfläche webminidisc im Webbrowser, um Inhalte einer Minidisc mit einer Weboberfläche zu verwalten. Voraussetzung ist ein NetMD-fähiges Gerät, ein USB-Kabel sowie ein WebUSB-fähiger Browser (Chrome). Mit einem Windows-PC, einem Mac und sogar mit einem Smartphone ist so der Zugriff auf einen MD-Recorder möglich.

Live @ https://stefano.brilli.me/webminidisc/.
How it works @ https://www.youtube.com/watch?v=Frs8qhw0g9Y.
Blogpost @ https://stefano.brilli.me/blog/web-minidisc/

Software-Alternative

Da die Webbrowser-Variante im eines einfacher vonstatten geht, will ich die offizielle Softwarelösung von SONY nur noch als „Alternative“ erwähnen. Zu finden ist die aktuelle SonicStageCP Version 4.3 in einem „ultimativen“ Paket auf archive.org. Der benötigte Windows-Treiber für USB findet sich in SONYs Supportbereich. Für die Installation muss die Treibersignierung in Windows deaktiviert werden.

  1. Während auf Neu starten geklickt wird, muss die SHIFT-Taste gedrückt werden (Halten) Nun sollte ein blaues Menü erscheinen
  2. Hier Problembehandlung wählen und jetzt auf Erweiterte Optionen > Starteinstellungen
  3. Es wird nochmals eine Übersicht der Möglichkeiten angezeigt –> Neu starten
  4. Mit F7 wird die Treibersignierung deaktiviert
  5. Die Treibersignatur von Windows ist jetzt bis zum nächsten Neustart deaktiviert und des können beliebige Treiber ohne offizielle Signatur installiert werden.

Ist der Treiber installiert, kann SonicStageCP auf das NetMD-Gerät zugreifen.

Hardware-Alternativen

Bei den meisten Minidisc-Recordern ist – wenn überhaupt – nur eine normale Fernbedienung (ohne Buchstaben) enthalten. Die Bearbeitung der Titel ist so eine langwierige Angelegenheit, da jedes Zeichen mühsam aus einer Liste ausgewählt werden muss. 

Als Extra-Zubehör hatte SONY eine Keyboard-Fernbedienung für hauseigene Hifi-Bausteine angeboten. Mittlerweile ist diese noch seltener und unerschwinglicher als damals. Findige Bastler haben jedoch bereits 1999 daraus EasyTitle entwickelt – einen Hardware-Adapter, der die Eingaben einer PS/2-Tastatur in IR-Signale umsetzt und damit wiederum diese Fernbedienung (SONY RM-D10P) simuliert. Ein cleverer Ansatz, aber der Aufwand ist groß.

Einige wenige MiniDisc-Hifi-Bausteine haben selbst eine Tastatur-Anschlussbuchse. Meist ist dies aber den teureren Modellen und Studiogeräten vorbehalten gewesen. Aber auch meine Sharp-Anlage bietet die Möglichkeit, eine PS/2-Tastatur anzuschließen, und macht damit die Benennung der Titel zu einem denkbar einfachen Vorgang.

Fazit

Gute Nachrichten für Retro-Freunde des Minidisc-Formats! Dank einer kleinen, aber feinen Community von Entwicklern ist das Handling von MiniDiscs auch für die Zukunft gesichert.

So macht es Spaß, sich ein paar alte CDs auf MiniDisc zu bannen, mit kompletten Track-Texten und ggf. sogar inkl. eigenem Label.

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