Sharp MD-X5 Reparatur

In den eBay-Kleinanzeigen habe ich kürzlich eine Sharp MD-X5 Bookshelf-Anlage aus dem Jahr 1997 für schmale 10,- erworben. Sie wurde mit Zustand defekt angeboten: Die Minidisc würde nicht mehr aus dem Laufwerk rauskommen, was mein erster Test auch bestätigte. Es wurde angezeigt, dass keine Minidisc eingelegt wäre, die Bedientasten für Minidisc waren ohne Funktion. Es steckte noch eine Disc im Laufwerk…

Besonderheiten der Anlage:

  • 2 digitale optische Audio-Eingänge (für MD-Aufnahme)
  • Integrierter Phono-Verstärker
  • PS/2-Tastaturanschluss um Titel komfortabel eingeben zu können

Diagnose & MD-Reparatur

Nachdem ich das Gerät ausgeschraubt, nach etwaig geblähten Kondensatoren gesucht und alle Kabel auf guten Sitz geprüft hatte, habe ich die Anlage zu einem Repair-Cafe mitgenommen. Dort wurde schnell klar, dass das Problem vermutlich am MD-Laufwerk lag. In einer weiteren 5stündigen Reparatur-Sitzung gingen wir m.H. des sehr detaillierten Service-Handbuchs dem Fehler auf den Grund.

Das Laufwerk wurde Stück für Stück immer weiter zerlegt, Die Servo-Motoren für den Loading- und Schlittenmechanimus könnten durch anlegen von 5V in beide Richtungen bewegt werden. Die Spannungen, die an den Pins für die Motoransteuerung anliegen sollten waren korrekt, jedoch fuhr der Laufwerksschlitten im normalen Betrieb nicht bis zur eigentlichen Endstellung. Bzw. offenbar wurde der Elektronik nicht signalisiert, dass die Endstellung erreicht war (Anzeige blieb am Display: „MD Loading“). Eine Messung am Anschluss zum Switch-Board ergab, dass eine der Leitungen nicht geschlossen wurde, also ein potentielles Problem mit einem der Schalter bestand.

Also wurde das Laufwerk noch weiter zerlegt, Motoren und Mechanik ausgebaut um letztendlich das Switch-Board zu erreichen. Nach etwas Bewegungstherapie und einer Ladung Kontaktspray funktionierten alle Schalter wieder korrekt und das Laufwerk konnte wieder zusammengesetzt werden. Dann kam der große Moment und eine Minidisc wurde eingelegt: Yeah! Funktioniert. Die Disc wurde eingezogen, der TOC gelesen und Musik spielte. 🙂

Refurbishing

Bereits bei ersten Tests hatte ich festgestellt, dass das Display ungleichmäßig farbig ausgeleuchtet war. Darum wollte ich versuchen, es von etwaig vorhandenen Ablagerungen zu befreien und zu reinigen. Ich schnappte mir erneut den Schraubenzieher und zerlegte die Anlage bis in alle Einzelteile.

Als ich das Front-Panel erreichen konnte, stellte ich fest, dass die Display-Tönungsscheibe aus 2 Scheiben bestand: eine rauchgraue äußere und eine rosafarbene innere Scheibe (mit schwarzem Rahmen). Die Innenscheibe war leider durch Wärme schon starkt verfärbt, so dass es mir die beste Option erschien, die einfach komplett zu entfernen. Ich fräste die Halterungen auf und zog, die Schiebe aus ihrer Führung. Nur das Stück für die IR-Diode habe ich wieder ins Gehäuse geklebt. Nach kurzer Reinigung baute ich das Gehäuse wieder zusammen und wollte das Ergebnis testen. Die Optik wär sehr gut, das tolle Vakuum-Fluoreszenz-Display (VFD) war angenehm hell, klar und gut lesbar. Erinnert nun etwas an das Display der Aiwa-Anlage.

Aber… Die Minidisc wollte nicht mehr aus dem Schacht, es wurde nur „MD Ejecting“ angezeigt. Die CD spielte zwar, aber der Verstärker gab keinen Ton aus. Was war passiert? Hatte ich etwas kaputt gemacht, Kabel beschädigt oder nicht korrekt angesteckt? Ich prüfte alle Verbindungen, soweit ich sie erreichen konnte, aber ohne Erfolg. :-/

Ich warf einen Blick ins Service-Manual. Ich hatte einen Reset-Knopf an der Geräterückseite entdeckt – vielleicht konnte der etwas bewirkten? Und tatsächlich stand dort: „Remove the MD unit for repair, and after installing it in the set, be sure to reset it and ascertain that reset has been done (…)“ Also folgte ich der Anleitung, die Anlage zu resetten (Reset 3 Sekunden gedrückt halten, dann einstecken & einschalten). Und siehe da: „TOC Reading“ wurde angezeigt und das Gerät funktionierte wieder normal 🙂

Fazit

Es war einiger Aufwand nötig, die kleine Anlage wieder Instand zu setzen. Sie funktioniert nun soweit man sie ohne Fernbedienung (…) bedienen kann. Um die erweiterten Aufnahmefunktionen nutzen zu können und auch den Betrieb einer PS/2-Tastatur, war eine Fernbedienung (RRMCG0111AWSA) notwendig. Meine Logitech Harmony hatte leider nicht alle notwendigen Tasten in der Datenbank.

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