Der 3. im Bunde: Macbook Pro 8,2

Beim ersten Flohmarkt des Jahres bei noch sehr winterlichen Temperaturen hatten sich nur wenige Anbieter ins Freie verirrt. Tatsächlich war meine Ausbeute eher gering, jedoch konnte ich kurz vor Aufbruch noch ein Schnäppchen machen: Ein Macbook Pro für ~30,- EUR. Äußerer Zustand top – Hardware zunächst unbekannt.

Diagnose

Nach der ersten Untersuchung stellte sich heraus: Das Gerät kam ohne Festplatte und RAM sowie mit einem für die Baureihe (MBP 8,2 A1286, Late 2011) typischen Problem: die ext. AMD-Grafikeinheit war defekt. Konstruktionsbedingt überhitzen derartige Notebooks wohl zu stark (v.a. wenn die dedizierte Grafikkarte eingesetzt wird) und schädigen so Chips und Lötverbindungen auf dem Mainboard.

 

Der defekte Grafikchip verhinderte normales Booten und auch macOS-Neuinstallation des Geräts. Eine vorinstallierte Windows-10 Festplatte bootete (mit Grafikfehlern) ansonsten einwandfrei.

Nach einiger Internet-Recherche kam ich auf diese Optionen:

  • (Temporärer) Hardware-Fix durch prof. reflowen/reballen des alten Grafikchips. Wird von verschiedenen Dienstleistern angeboten für ~50-60 EUR. Vorteil: Relativ günstig, volle 3D-Hardware Funktionalität,. Nachteil: hält vermutlich nicht lange (6-12 Monate), dann tritt der Fehler mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder auf.
  • Permanenter Hardware-Fix durch Austausch des AMD-Grafikchips. Wird von verschiedenen Dienstleistern angeboten für 160-300 EUR. Hierbei würde wohl auch ein neueres Chipmodell eingesetzt, das die thermischen Probleme nicht mehr haben soll. Vorteil: wenn gut gemacht: permanenter Fix. Nachteil: teuer
  • Softwaremäßige Deaktivierung der AMD-GPU
    Vorteil: Kostenlos, kein Hardwareeingriff notwendig
    Nachteil: Performance-Einbußen, ggf. nach einen NVRAM Reset neu fällig (Nach Apple-Updates), AMD-GPU verbraucht noch Strom

    • Hardware-Option
      Nach dieser Methode könnte man noch hardwaremäßig die AMD-GPU durch auslöten eines 0-Ohm Widerstands deaktivieren und so erreichen, dass diese keinen Strom mehr zieht. So kann eine bis zu ein Drittel höhere Akkulaufzeit erreicht werden. Allerdings hat man so nach einem NVRAM-Reset das Problem, dass das System quasi gar keine Grafikkarte mehr ansprechen kann und der Screen schwarz bleibt.
    • Hardware Option 2
      Flashen einer neuen Firmware auf den GMux IC auf dem Mainboard.

Bugfixing

Ich entschied mich für die 3. Option und dabei alles erstmal ohne Hardwaremodifikationen zu lösen. Eine sehr anschauliche Anleitung fand ich im Beitrag meines Blogkollegen Dennis Wegner, in dem zusammengefasst alles erledigt wird, was ich so oder ähnlich bereits auch in diversen anderen Tutorials gefunden hatte.

Vom Vorteil war diesmal, dass ich bereits ein lauffähiges macOS-System zur Verfügung hatte, mit dem ich Installationsmedien verschiedener macOS-Versionen erstellen konnte.

Da in macOS High Sierra das Handling der AMD-Grafikchips verändert wurde kommt es mit dieser OS-Version zu Problemen mit der Helligkeitssteuerung und des Sleep-Modes, so dass empfohlen wird, bei Sierra zu bleiben.

Da ich mit einer leeren SSD gestartet habe, musste ich das Installationsmedium verwenden, um in den Recovery-Modus zu starten, bzw. ins Terminal/Single-User Mode zu gelangen. Der Eigentliche macOS-Installer startet ohnehin aus einer Mini-macOS-Recoveryinstallation, die sich direkt auf dem Installationsmedium befindet. Praktischerweise findet man ggf. erforderliche Tastenkombinationen direkt bei apple.

Sobald ich die AMD-GPU manuell deaktiviert hatte, starten alle Installationsvorgänge regulär.

Howto

Nachdem das Gerät ein Update eingespielt hatte, wurde das NVRAM zurückgesetzt und wie erwartet bootete OSX nicht mehr… Um den Fix wiederherzustellen, geht man so vor:

  • In die Konsole starten mit Command+S
  • vorbereitete Batch-Datei starten mit sh force-iGPU-boot.sh
  • neu starten mit reboot
  • Command+R gedrückt halten um Recovery-Mode zu starten
  • Terminal öffnen und csrutil disable eingeben (Systemfile-Protection abschalten)
  • nochmal neustarten mit Command+S
  • nochmal die sh-Datei ausführen
  • Macbook startet wieder normal 🙂

Damit das so einfach klappt, sollte man sich das oben genannte Shell-Script vorbereiten.

 sudo nano /force-iGPU-boot.sh

Diesen Inhalt einfügen:

#/bin/sh
sudo nvram boot-args="-v"
sudo nvram fa4ce28d-b62f-4c99-9cc3-6815686e30f9:gpu-power-prefs=%01%00%00%00
exit 0

(speichern mit Ctrl+O [Enter] und Beenden mit Ctrl+X)

Dann das Script als „Ausführbar“ kennzeichnen:

sudo chmod a+x /force-iGPU-boot.sh

 

 

Same procedure as last year: Installationsprobleme

Schon bei meinem ersten Macbook hatte ich Probleme bei der MacOS-Installation vom USB-Stick. Und auch diesmal war initial ein falsch gestelltes Datum die Ursache für die Meldung, dass Installationsdateien „beschädigt“ wären. Beim Download aus dem Macstore ausgestellte Zertifikate sind wohl abgelaufen, bzw. nicht gültig. Eine Korrektur des Datums im Terminal sollte hier Abhilfe schaffen.

Diesmal hat das bei mir nicht ausgereicht, die Installation wurde weiterhin als „beschädigt“ angezeigt. In diversen Foren wird empfohlen die Installation neu aus dem Store zu laden und ein neues Medium zu erstellen. Ein wesentlich einfacherer Weg ist es aber, die Datei InstallInfo.plist aus der Installation zu löschen. Das kann man direkt auf dem fertigen USB-Stick tun:

  • Im Finder auf den USB-Stick wechseln
  • Rechte Maustaste auf dem Programmicon und „Paketinhalt anzeigen“ wählen
  • wechseln zu Contents / SharedSupport
  • die Datei InstallInfo.plist löschen
  • Den Stick auswerfen und jetzt die Installation erfolgreich starten.

Bei Geräten dieser Generation wäre es an sich auch möglich, das Betriebssystem über das Internet (via LAN oder WLAN) zu installieren. Damit hatte ich auch kurz begonnen, aber dann abgebrochen, nachdem das „BIOS“ hier angefangen hatte, lediglich MacOSX Lion (10.7) zu installieren.

Nützliche Links

Viele schlaue Köpfe haben sich mit den problematischen Grafikchips beschäftigt und stellen Tipps und Lösungen bereit:

Apple bietet seine Betriebssysteme im hauseigenen Appstore zum Download an:

Fazit

Auch ohne den dedizierten Grafikchip macht das Macbook Pro viel Spaß. Es macht mit seinem schweren Aluminiumgehäuse insgesamt – trotz der fragilen Grafikkarte – einen hochwertigen Eindruck. Letztendlich zu verschmerzen sind die geringen Investitionen in gebrauchte 16GB RAM (40,-) und eine gebrauchte 480GB SSD (25,-).

Durch die aktuellen Umstände, dass in nach Bayern und weltweit Ausgangsbeschränkungen durch die diesjährige Sars-Cov2 Epidemie verhängt wurden, habe ich mehr Zeit dafür als mir ursprünglich lieb sein konnte. Flohmärkte wurden bis auf weiteres abgesagt.

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